Ostern und das christliche Kirchenjahr

 

Alles beginnt am frühen Morgen. In der Dämmerung kamen die Frauen, die Jesus liebten, zu seinem Grab. Sie wollten dem Toten die letzte Ehre erweisen. Doch sie fanden einen Lebenden, ihren auferstandenen Herrn. Diese Erfahrung ist die Keimzelle des christlichen Gottesdienstes und der christlichen Feste. Die ersten Christen feierten täglich das ganze Geschehen rund um Leiden, Tod und Auferstehung Christi. Spätere Generationen begannen, den Sonntag als Auferstehungstag mit besonderer Freude zu begehen. Jeder Sonntag war und ist bis heute ein Osterfest. Noch später bestimmte man den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond als den einen großen Ostertermin im Jahr. Auch das jüdische Pessach-Fest, das Fest der Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei, ist an den ersten Frühlingsvollmond gebunden.

Bei den Osterfesten der frühen Christenheit stand die Taufe neu bekehrter Christen im Mittelpunkt, ihnen wurde das Heilsereignis der Osternacht ausführlich erzählt und vor Augen geführt. Der Ostertermin strahlte nun nach vorn und hinten aus: In einer Vorbereitungszeit stellt man sich mit Buße und Fasten auf das große Ereignis ein. Diese Zeit dauerte zunächst eine Woche, heute begeht man die 40 Tage vor Ostern als Passionszeit, die am Aschermittwoch beginnt. Die sechs Sonntage der Passionszeit zählen nicht zu den 40 Fastentagen. Nach Ostern erstreckt sich die österliche Freudenzeit bis Himmelfahrt – 40 Tage nach Ostern – und Pfingsten. Anders als der Ostertermin, der sich am Mondkalender ausrichtet, wurden die Gedenktage der Heiligen und Märtyrer schon in der frühen Christenheit am solaren Kalender festgemacht.

Und ebenso hielt man es mit dem Weihnachtsfest, dem Fest der Geburt Jesu Christi. Der 25. Dezember, der sich ab dem fünften Jahrhundert als Tag der Geburt Jesu durchsetzte, war im römischen Kalender der Festtag von sol invictus, des unbesiegbaren Sonnengottes. In der dunkelsten Zeit des Jahres feierten die Christen die Ankunft Gottes in einem kleinen Kind. Und auch das Weihnachtsfest wurde mit einer Vorbereitungszeit versehen, der Adventszeit, die eben keine Zeit der Völlerei, sondern eine Zeit der stillen Einkehr und des Fastens ist. Die Weihnachtsfreude strahlt ab auf den Sonntag nach Weihnachten und das Epiphaniasfest am 6. Januar, bis man wieder ins Gravitationsfeld der vorösterlichen Passionszeit ein-tritt.

Von den Anfängen der Kirche bis heute prägt die Struktur des Kirchenjahres in allen christlichen Ländern das gesellschaftliche Leben und Kultur. Selbst wo der eigentliche Sinn eines Festes in Vergessenheit geraten ist, besitzt die Einteilung eines Jahres in Erinnerungen an Geburt, Tod und Auferstehung so viel Symbolkraft, dass ihre Abschaffung nicht zur Diskussion steht.

Ute Sauerbrey

 

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