Ian Karan: Der Deutsche aus Sri Lanka

 

Fast 50 Jahre ist es her, dass Ian Karan ohne Geld in der Tasche nach Hamburg kam. Heute zählt er zu den wohlhabenden Unternehmern der Stadt. Ian Karan wuchs als Waise in Point Pedro auf, der nördlichsten Stadt Sri Lankas. Mit 71 Jahren bekommt seine märchenhafte Lebensgeschichte noch das i-Tüpfelchen: Er wird – wenn auch nur kurz – Hamburgs Wirtschaftssenator. Ian Karan ist ein immer freundlicher und lächelnder Mann. »Eine Art Hamburger Buddha«, wie ihn »Der Spiegel« beschrieb. Ian Karan wurde 2007 für sein kulturelles und soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er schätzt die SympathieMagazine, weil sie sich auch kritischer Themen annehmen und Leserinnen und Lesern die Möglichkeit bieten, einen Blick hinter die touristischen Kulissen zu werfen.

Was verbindet Sie nach all den Jahrzehnten noch mit Sri Lanka?
Ein Mensch kann seinen Ursprung nicht verleugnen, denn die Wurzeln seines Daseins liegen eben dort, wo er geboren ist. Egal, ob ich seit über 50 Jahren in England oder Deutschland lebe, Sri Lanka bleibt meine Heimat und Hamburg meine geliebte Wahlheimat. Als man nach Ende des Bürgerkriegs wieder in den Norden Sri Lankas reisen konnte, habe ich meine Heimat sofort besucht und mir ein Bild von der Lage dort verschafft. Das Ausmaß der Zerstörung war erschreckend. Die physischen Schäden sind offensichtlich, aber die psychischen Schäden, die die Menschen erlitten haben, ist nur schwer auszumachen.

Hat sich seit Kriegsende für die Menschen etwas zum Besseren gewendet?
Auf meiner letzten Reise im November 2016 war ich überrascht über die allgemein verbesserte Lebenssituation der Menschen im Norden und die überaus positive Einstellung der Menschen, was die Zukunft anbelangt. Nichtsdestotrotz sind noch große Anstrengungen nötig, um die Region auf ein ähnliches Niveau zu bringen wie im Süden.

Wie sehen Sie denn allgemein die Chancen, dass Ihre alte Heimat wirtschaftlich wieder Anschluss an den Rest des Landes findet?
Die wirtschaftlichen Aussichten für den Norden hängen vor allem von der Versöhnung der Volksgruppen und der Bereitschaft des relativ reichen Südens ab, in den armen Norden zu investieren. Die Rahmenbedingungen für einen Wiederaufbau kann nur die Regierung schaffen. Ich bin sicher dass, wenn dies geschieht, die Region prosperieren wird, was wiederum dem Frieden dienen wird. Es wäre auch wünschenswert, dass Tamilen, die im Ausland leben und sich dort Qualifikationen angeeignet haben, diese an ihre Landsleute weitergeben. Diejenigen, die in der Lage sind, in Projekte zu investieren, sollten dies auch tun. Diesbezüglich ist seit Kriegsende sicherlich einiges passiert, aber die Bereitschaft ist noch nicht so, wie ich mir das vorstelle.


Da gibt es vermutlich auch Unterschiede zwischen der Generation, die ins Ausland geflüchtet ist, und der ihrer Kinder, die in Europa oder Nordamerika geboren wurden?
Die erste Generation der aus Sri Lanka geflüchteten oder emigrierten Menschen hat immer noch starke Heimatgefühle. Anders dagegen verhält es sich mit deren Kindern. Sie sind im Ausland geboren und zeigen naturgemäß weit weniger Interesse für Sri Lanka. Gerade deswegen ist es wichtig, die Diaspora zu ermuntern, ihren Landsleuten beim Wiederaufbau zu helfen. Wenn jetzt nichts passiert, wird die zweite, im Ausland geborene Generation nicht die gleiche Verbundenheit mit Sri Lanka empfinden, wie ich es tue.

Wie unterstützen Sie von Hamburg aus Ihre alte Heimat?
Ich versuche, meinen Anteil am Wiederaufbau zu leisten. In den vergangenen Jahren habe ich vor allem meiner alten Schule, dem Hartley College in Jaffna, finanziell bei einigen Infrastrukturmaßnahmen geholfen. Zum Beispiel beim Bau eines Internats. Abgesehen von meiner alten Schule gibt es Anfragen von einer Reihe anderer Schulen. Die Maßnahmen reichen von neuen Gebäuden bis hin zu technischer Ausstattung mit Computern. Ich habe bei meiner letzten Reise erstmals auch einige Krankenhäuser im Norden besucht und war schockiert über deren desolaten Zustand. Jetzt möchte ich dem Krankenhaus im Ort Moolai einen neuen Operationssaal finanzieren, wir warten aktuell auf Baupläne und Baugenehmigung. Der Instandsetzungsbedarf des Krankenhauses in Manthikai ist ebenfalls enorm. Hier habe ich mich verpflichtet, ein Drittel der Neubaukosten zu übernehmen. Es bestehen auch gute Verbindungen zur methodistischen Kirche, die ein Waisenhaus eingerichtet hat, dessen Unterhalt und Finanzierung ich für einige Jahre zugesichert habe. Natürlich kann ich nicht alle Anfragen annehmen, aber ich tue mein Bestes, um den dringendsten Bedarf zu decken.

Interview: Walter Keller

 

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