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Nouruz - das persische Neujahrsfest

 

In Schiraz, meiner Heimatstadt, ist der Frühlingsbeginn verbunden mit dem Duft der Mandelblüten in den Straßen und Plätzen. Im Haus dominiert der Geruch von Hyazinthen und »Schirini«, einem Gebäck aus Kichererbsenmehl, Honig, Nüssen und Safran. Das ist für mich der Duft von »Nouruz«! Schon Wochen vorher wird das Neujahrsfest vorbereitet, das mit dem astronomischen Jahresbeginn um den 21. März stattfindet: Nach dem Frühjahrsputz werden Einkäufe erledigt. Die Frauen treffen sich, um gemeinsam Schirini zu backen. Als Kind liebte ich es, mit meiner Mutter und den Schwestern die kleinen bunten Schalen mit den unterschiedlichsten Sorten Schirini zu drapieren. Überall herrscht eine freudige, ausgelassene Stimmung, unterlegt von lauter Musik. Nouruz ist ein Fest der Familie und der Freude.

Der letzte Mittwochabend vor Nouruz ist »Tschahar-schanbeh Suri« (feuerroter Mittwoch). Auf den Straßen werden kleine Feuer angezündet. Jung und alt springen über das Feuer und sprechen: »Meine Blässe (=Kränkliches) möge dir gehören, deine Röte (=das Gesunde) mir!« Das »Haft Sin« (siebenmal »S«), gehört ebenfalls zum festen Ritus von Nouruz. Neubeginn, Wohlstand, Gesundheit und Fruchtbarkeit werden von sieben festgelegten Gegenständen
symbolisiert: »Sib« (Apfel), »Sabzi« (Weizen- oder Linsensprossen),
»Samanu« (eine süße Weizenspeise), »Sir« (Knoblauch), »Serkeh« (Essig), »Somagh« (Gewürz), »Sekeh« (Münze). Zusätzlich schmücken Kerzen, Goldfische, Spiegel, Hyazinthen und bunte Eier sowie der Koran oder die Gedichtsammlung des Hafez den Tisch.

Der Höhepunkt des Festes ist der Jahreswechsel, an der Sonnenwende ausgerichtet – also immer zu einer unterschiedlichen Uhrzeit. Die Familie sammelt sich dazu um den Haft Sin und zählt die letzten Sekunden. Je nachdem, zu welcher Uhrzeit das Jahr beginnt, geht man danach nochmals schlafen oder macht sich auf den Weg, um Verwandte, bei den Älteren beginnend, zu besuchen. Die Gäste bewundern den Haft Sin des Gastgebers. Von jeder Sorte Schirini wird probiert. Die Kinder bekommen Geschenke, meist frisch gedruckte Geldscheine.

Mit dem »Sizdeh be dar«, dem 13. Tag nach Nouruz, endet das Fest mit einem Ausflug in die Natur – am liebsten ans Wasser, samt Picknick. Dabei wird das »Sabzi«-Grün in den Fluss geworfen, es vertreibt das Übel. Neue Wünsche werden im Stillen ausgesprochen – bekräftigt durch einen Knoten im hohen Gras.

 

Jilla Momtazi  

Aus »Iran verstehen«

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