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Mehr als ein Essen

Copyright Bild: Dagmar Schreiber

»Oschchona Nawruz« lese ich am Giebel eines Häuschens unweit der alten, inzwischen kaputten Seilbahn in Duschanbe, Tadschikistan. »Nawruz« ist der Frühling, das klingt schon mal verheißungsvoll. »Oschchona« bedeutet Speisesaal, Kantine. »Osch« ist das Essen. Und das Essen ist »Plow«, »Pilaf«, »Palau«. Nahezu alle Einwohner Zentralasiens könnten es jeden Tag verspeisen. Plow ist Kult. Es ist Essen, Erholung und Kommunikation zugleich. Es gibt zahlreiche Alltagsvarianten und ebenso viele Festtagsvarianten aus allen möglichen Arten von Fleisch: Lamm, Rind, Huhn – ja sogar Fisch-Plow habe ich schon probiert. Selbst für Vegetarier kann man es kochen; Trockenfrüchte ersetzen dann das Fleisch.

Kimatlotscho, Chefin des »Nawruz«, kocht mit ihrer Tochter Adolat ein solides Alltags-Plow. Jedes Mal, wenn ich in Duschanbe bin, lasse ich mich hier verwöhnen. Warum schmeckt es mir hier so gut? Liegt es an der herzlichen Atmosphäre, die mich umgibt? »Wir nehmen nicht die vorgeschnittenen Möhren vom Bazar«, erklärt Kimatlotscho stolz, »Adolat schneidet sie frisch. Wir geizen auch nicht mit Fleisch und nehmen nur gutes Öl.« Ich sehe noch zwei Männer in der Küche umherwuseln. »Mein Sohn kümmert sich um das Fleisch, das ist Männersache«, lacht Kimatlotscho, »und mein Mann ist für die Zulieferung von allem verantwortlich. Das Nawruz ist unser Familienunternehmen. Wir alle leben davon.«

Nachmittags kommen Rufina und Ruchmina, die beiden Enkelinnen, sie machen ihre Hausaufgaben an den Tischen der Kantine. Adolats Töchter wachsen im Nawruz auf, ihre Mama ist immer beschäftigt. Sie beklagt sich nicht darüber, dass sie ohne Ernährer ist und die Töchter keinen Papa haben, nur ganz nebenbei erfahre ich, dass ihr Mann vor Jahren bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung um ein »bizniz«, ein Geschäft, ums Leben gekommen ist.

Kimatlotscho bringt mir grünen Tee, nachdem ich die letzten Bissen vom »Atschutschuk«, dem obligatorischen Tomaten-Zwiebel-Salat zum Plow, verputzt habe. Nach dem Osch muss man einfach grünen Tee trinken. Nur er hilft wirklich bei der Verdauung des Fettes. Mit Bier oder Wasser nachzuspülen kann zu lästigen Reisebeschwerden führen.

Barbara Hantschel

 

Plow für 4-6 Personen

500 g Lammfleisch
250 g Langkornreis
2 Zwiebeln
1 Knoblauchknolle
500 g Möhren
1 Peperoni
1 TL gemahlener Kreuz­kümmel
1/2 TL Koriandersamen
Salz
1 TL Berberitzen
Pflanzenöl

Reis waschen, Möhren stifteln, Zwiebeln in Streifen und Fleisch in Würfel schneiden, Knoblauchknolle von der
Außenhülle befreien, aber nicht trennen.
Öl in großem Topf erhitzen, Fleisch hinzufügen, scharf anbraten, salzen, Zwiebeln hinzufügen, 10 Min. unter Rühren weiterbraten, Peperoni zugeben, ablöschen. Kreuzkümmel und Koriander mischen, mit den Berberitzen einstreuen. Möhren aufs Fleisch schichten, nicht umrühren. Abgetropften, ungekochten Reis hinzugeben, glätten, nicht umrühren.
Bei maximaler Hitze so viel Wasser zugießen, bis alles 3 cm bedeckt ist. Auf kleiner Flamme ca. 45 Min. köcheln. Ist das Wasser fast aufgesogen, Knoblauchknolle in den Reis stecken, weitergaren.
Kurz vor Ende der Garzeit mit einem Holzstab Löcher in die Mischung stechen, Topf abdecken und noch ca. 10 Min. ziehen lassen.

 

Aus unserem im Oktober erscheinenden SympathieMagazin »Seidenstraße verstehen − Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan«

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