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Es geht vorwärts

Copyright Bild: Maquipucuna

Seit 25 Jahren durchstreift Arsenio Barrera die Nebelwälder von Santa Marianita in Ecuador. Umschwirrt von Kolibris erzählt der Naturführer Geschichten von Bären, die auf hohe Bäume klettern, um die Aguacatillo-Früchte zu naschen, und vom Puma, der neuerdings hier wieder gesehen wird. Die 3.000 Hektar der Maquipucuna-Lodge, die 2018 auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) den TO DO Award für sozialverantwortlichen Tourismus bekam, waren nicht immer ein Naturparadies, sondern bis vor 30 Jahren ein Sägewerk inmitten von Zuckerrohrfeldern. Als die Firma pleiteging, verwirklichte ein Unternehmerehepaar hier seinen Traum. Sie errichteten eine Lodge und eine biologische Forschungsstation und forsteten wieder auf. Es entstand eine Kaffeeplantage, die den Nachbardörfern neue Einkommensmöglichkeiten brachte. »Naturschutz und Tourismus funktionieren, aber nur gemeinsam mit den Anwohnern«, sagt Barrera, der einer von zehn Festangestellten ist, die alle aus der Gegend kommen.

Auf Tourismus setzt auch Chachapoyas, ein Städtchen in den nördlichen Anden Perus. Pedro Heredia hat hier ein 70 Hektar großes Anwesen in ein privates Naturschutzgebiet verwandelt und arbeitet mit Schulen, um das Umweltbewusstsein zu fördern. Dabei muss er auch Rückschläge hinnehmen. Eine Feuersbrunst hat gerade 15 Hektar zerstört. Der Tourismus federt den Verlust etwas ab. Heredia empfängt in seinen sechs Zimmern Besucher aus der ganzen Welt, die sich die historische Festung Kuelap anschauen wollen oder den 711 Meter hohen Wasserfall Gocta. Der Beginn des Wanderwegs dorthin liegt im Dorf Cocachimba, und sowohl die Einnahmen aus dem Eintritt als auch aus Dienstleistungen wie Pferdeverleih und Verköstigung gehen an die Gemeinde. Ein Teil fließt in Gemeinschaftsprojekte wie die Wiederaufforstung, den Kindergarten oder die Gesundheitsversorgung. Der Rest wird fair unter allen 150 Dorfbewohnern aufgeteilt. »Auch Alte und Behinderte bekommen etwas«, sagt Augustin Peche. »Für uns war der Tourismus ein Segen. Meinen vier Kindern konnte ich so eine Ausbildung finanzieren«, ergänzt der ehemalige Bauer. Noch ist die Gegend ein Geheimtipp, aber wie kann man die Balance halten, wenn das Interesse zunimmt?

Eine Antwort geben die Galapagosinseln. »Hier haben Tiere Vorfahrt«, sagt Hoteldirektor Renato Vásconez, während er eine Urlauberin darauf aufmerksam macht, dass die Düne am Strand von Puerto Ayora ein Nistgebiet der endemischen Schwimmechse ist und nicht betreten werden darf. Nur drei Prozent des Archipels sind bewohnt. Zuzug, Häuserbau und Tourismus sind strikt reglementiert. »Es funktioniert, weil hier 90 Prozent der Menschen vom Tourismus leben, und keiner seine Lebensgrundlage zerstören will«, sagt Vásconez. Die Besucherzahl ist auf 245.000 jährlich begrenzt, die Routen werden von der Parkverwaltung festgelegt und dürfen nur in Begleitung örtlicher Führer betreten werden. All das macht Galapagos exklusiv und teuer, führt aber auch dazu, dass sich die Tiere vom Menschen nicht bedroht fühlen und völlig natürlich verhalten.

Im Amazonastiefland Boliviens wurde im Jahr 1995 der Madidi-Nationalpark geschaffen. Das war ein
Einschnitt für die indigenen Tacana, weil sie dort nicht mehr jagen oder Bäume fällen durften. Doch die Gemeinde San Miguel verstand das als Chance und setzte auf den Tourismus. Ihre mitten im Dschungel errichteten Lodges funktionieren mit Solarstrom und werden von den 35 Familien des Ortes betreut, die den Regenwald kennen wie ihre Westentasche. Bessere Führer kann man sich kaum wünschen. Dafür gab es 2011 den TO DO Award.

Sandra Weiss

 

In Ecuador hat sich in Sachen sozialverantwortlichem und nachhaltigem Tourismus in den letzten Jahren viel getan. Deshalb ging der TO DO Award 2018 gleich an zwei Projekte aus Ecuador. Neben der Maquipucuna Eco Lodge wurde Tren Ecuador gekürt. Das staatliche Unternehmen bietet seit 2010 eine viertägige Schienen-kreuzfahrt zwischen Guayaquil und Quito an. Die lokalen Gemeinden entlang der Reise­strecke werden miteinbezogen und gestärkt.

Doch auch in Bolivien und Peru gibt es Projekte, die großen Wert auf die Teilhabe der ansässigen Bevölkerung legen und dies vorbildlich umsetzen. Aus Bolivien wurde gemäß diesen Kriterien 2011 nach das Projekt San Miguel de Bala mit dem TO DO Award ausgezeichnet. Mountain Lodges of Peru gewann 2008. Ebenfalls aus Peru bekam bereits 2005 Posada Amazonas – Rainforest Expeditions den TO DO Award.

Eine Datenbank mit allen Preisträgern und Informationen zu Teilnahme und Preisvergaben findet sich unter www.todo-award.org

Aus unserem SympathieMagazin Bolivien, Ecuador, Peru verstehen

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