Seit 1999 ist die Türkei EU-Kandidat. Ende 2004 soll entschieden werden,
ob die Beitrittsverhandlungen beginnen können. Um dieses Zwischenziel
zu erreichen, hat das Land einen enormen Reformprozess in Gang gesetzt,
den man ihm kaum zugetraut hat. Vieles wurde angepackt, manche Reformbeschlüsse
bedürfen noch der Umsetzung in die Praxis. Auch nach dem angestrebten
Beginn von Beitrittsverhandlungen würden die Reformen weitergehen.
Der Weg zur tatsächlichen EU-Mitgliedschaft ist noch weit. Das weiß
heute jeder Türke. Die Mehrheit ist überzeugt, dass der Weg nach
Europa richtig ist.
Dass er gelingt, sollten wir nach besten Kräften unterstützen.
Nicht besserwisserisch und belehrend. Dafür haben wir wenig Anlass,
denn von der komplexen Alltagsrealität der Türkei wissen wir eher
wenig. Verstädterung, steigendes Bildungsniveau, das Vordringen westlicher
Medienkultur und die allmähliche Auflösung traditioneller Gesellschaftsstrukturen
haben die Entwicklung der Türkei in den letzten 25 Jahren maßgeblich
geprägt. Die heutige Türkei ist ein Land in rapidem Wandel, jung
und dynamisch: Die Mehrheit der Bevölkerung ist jünger als 35
Jahre. Das alles wurde bei uns kaum wahrgenommen.
Wer die Türkei mit offenem Auge und wachem Sinn bereist, wird seine
»Aha-Erlebnisse« haben. Er wird Land und Leute aus eigener Anschauung
besser kennen lernen – und feststellen, dass Europas Wurzeln bis nach
Anatolien reichen. Dazu wollen die Autorinnen und Autoren von »Türkei
verstehen« Mut machen.
Armin Vielhaber