Obwohl Syrien vor der Haustür Europas liegt, ist es ein »weißer
Fleck« im Bewusstsein vieler Menschen. Unser spärliches Wissen
ist einseitig geprägt, haben wir Syrien doch in den Medien vornehmlich
im Zusammenhang mit Konflikten wahrgenommen: als kontinuierlichen Gegenspieler
Israels – mit einem schwierigen Verhältnis zu den USA. Die Realität
ist komplexer.
Hier setzt »Syrien verstehen« an. Seine einheimischen und deutschen
Autorinnen und Autoren vermitteln interessante und überraschende Innenansichten
vom Alltag eines Landes, das sich vor allem auf gesellschaftlicher Ebene
in einer Umbruchphase befindet. Eine neue Generation wächst heran,
die mit dem 40 Jahre praktizierten Sozialismus wenig am Hut hat. Seit dem
Präsidentenwechsel im Juli 2000 werden Probleme zunehmend öffentlich
diskutiert – wenngleich zivilgesellschaftliches Engagement noch schwierig
ist. Der junge Präsident Bashar al-Assad hat kein leichtes Erbe übernommen.
Teile des »alten-neuen« Regimes sind zu Reformen bereit, andere
leisten Widerstand gegen jede Veränderung.
»Syrien verstehen« zeigt einen Staat, in dem religiöse
und ethnische Gruppen friedlich zusammen leben. Ein Land mit freundlichen
Menschen, die neugierig sind auf den Rest der Welt. Die Hälfte von
ihnen ist jünger als 15 Jahre. – Ein Land aber auch mit großem
kulturellen Reichtum, dessen Name zurückgeht bis in biblische Zeiten,
das uns zu den Grundlagen unserer Weltkultur führt.
Armin Vielhaber