Der 27. April 1994 war in Südafrika, wie Bischof Desmond Tutu sagt, ein "wahrhaft magischer Tag wie kein anderer zuvor." Es war der Tag der ersten demokratischen Wahl in einem Land, in dem zuvor Jahrzehntelang eine kleine Minderheit die große Mehrheit aufgrund der Hautfarbe unterdrückt hatte. Nelson Mandela, der unter der Apartheidsregierung 27 Jahre im Gefängnis gesessen hatte, wurde Präsident.
Seitdem ist viel passiert: Auf die lebende Legende Mandela folgte Thabo Mbeki, der von der Welt den Dialog mit Afrika "auf Augenhöhe" einforderte. Seit April 2009 ist der volksnahe Jacob Zuma im Amt, der sich wieder stärker auf die Innenpolitik konzentriert.
Und es gibt viel zu tun. Die Armut im Land ist groß, die Ausbreitung von Aids bringt zahlreiche Probleme. Vor allem aber muss es die Regierung schaffen, die Annäherung der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aneinander zu unterstützen und soziale Spannungen abzubauen.
Trotz aller Schwierigkeiten sind die Südafrikanerinnen und Südafrikaner zu bewundern für ihre beispielhaften Bemühungen um Versöhnung. Dies liegt wohl nicht zuletzt daran, dass es in Südafrika ein wichtiges Prinzip gibt, das das Menschsein definiert: Ubuntu bedeutet, dass die Menschlichkeit des Einzelnen untrennbar mit der anderer verbunden ist. Wer andere erniedrigt und entmenschlicht, entmenschlicht dadurch unweigerlich sich selbst. Ubuntu schafft also Stabilität und Harmonie - und die Kraft zur Versöhnung.
Wibke Reger