Unter den internationalen Reisezielen zählt die Mongolei zu den "Youngsters". Erst 1992 hat sich das Land für den Tourismus geöffnet. Unser Wissen über die Mongolei ist mager, unsere Vorstellungen erscheinen klischeehaft: Dschingis Khan, endlose Steppen und Wüsten, Nomaden mit Pferden und Kamelen. Das meiste davon spielt jedoch in der Realität des Landes bis heute eine Rolle.
Die Mongolei ist viereinhalb mal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp drei Millionen Einwohner. Die Weite des Landes, die archaische Schönheit und die tiefe Ruhe bestechen den Besucher. Neben dem klassischen Nomadenleben, das sich erhalten hat, ist auch ein modernes städtisches Leben entstanden - mit den bekannten Problemen von Metropolen.
Wer die Mongolei bereist, besucht ein Entwicklungsland. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei knapp 50 Euro pro Person. Über ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. 60 Prozent aller Arbeitslosen sind Jugendliche. Ausländische Beobachter bescheinigen dem Land jedoch erhebliche Fortschritte bei den Reformbemühungen. Die Mongolen versuchen sich erfolgreich in Demokratie, die Inflation konnte gebremst, die extrem schlechte Infrastruktur verbessert werden.
Die Mongolei ist ein faszinierendes Reiseland - aber kein einfaches. Wer Land und Leute verstehen will, braucht viel Zeit und Geduld, muss Abstriche machen vom herkömmlichen Reisekomfort. Er wird dafür mit neuen Erfahrungen und Eindrücken reichlich belohnt.
Armin Vielhaber