In der Nahostregion ist Jordanien kein Reiseziel mit großen Touristenzahlen. Ein klassisches Reiseland ist es trotzdem. Wer es besucht, ist überrascht und bald auch fasziniert: von den kontrastreichen Landschaften, von den kulturhistorischen Reichtümern, vom Nebeneinander verschiedener Religionen und Volksgruppen. Wer sich in der Bibel auskennt, wird viele im Alten wie im Neuen Testament genannte Orte in Jordanien wiederfinden.
Jordanien ist aber auch ein junger Staat, rund 80 Jahre alt. Er hat blutige Kriege durchlitten, aber auch eine beachtliche Aufwärtsentwicklung erfahren, etwa im Bildungswesen und in der Wirtschaft. Das auch demographisch junge Land - über 50 Prozent der Einwohner sind unter 15 Jahre! - bereitet sich jetzt auf eine Zukunft in friedlicher Nachbarschaft vor. In einem wahrhaft historischen Akt hatte König Hussein 1994 mit Israel Frieden geschlossen. Schon 1988 wurden dafür die Weichen gestellt, indem er den jordanischen Anspruch auf die palästinensischen Gebiete im Westen aufgab und so zur Bildung der Autonomiegebiete beitrug. Aus ihnen wird über kurz oder lang ein eigenständiger Staat Palästina entstehen. Zu ihm wird das nach dem Tod Husseins von König Abdullah II. geführte Jordanien eine enge Verbindung herstellen.
Bis dahin bleibt noch viel zu tun. Der Normalisierungsprozess in der Region wird weitere Bewährungsproben zu bestehen haben. "Wahr zu werden beginnt der Traum vom Frieden ganz unten", sagen die Menschen in Jordanien.
Armin Vielhaber