»Iran verstehen« beschäftigt sich mit einem Land, das
sich im Wandel befindet. Manches von dem, was in den letzten Jahren nach
außen gedrungen ist, steht im Gegensatz zur Einschätzung jener,
für die Iran zur »Achse des Bösen« zählt.
Den alten und neuen Feindbildern wollen die iranischen und deutschen Autorinnen
und Autoren dieses Magazins entgegentreten, weil sie glauben, dass die Menschen
des Landes – nicht zuletzt die reformorientierten und jüngeren
– dies verdient haben. Kein leichtes Unterfangen: Der Blick auf den
Alltag der Islamischen Republik stößt auf scheinbar Widersprüchliches.
Der Blick zurück ist nicht weniger wichtig: Ende der siebziger Jahre
war ein sich modern gebendes, waffenstrotzendes und repressives System in
die Krise geraten. Es hatte unter Fortschritt vor allem die schnelle Nachahmung
des Westens verstanden – bei gleichzeitiger Missachtung von Traditionen
und islamischen Werten. Die von oben verordnete Modernisierung hatte zu
sozialen Spannungen geführt. Trotz des Ölreichtums waren die Armen
arm geblieben. Der Schah erschien zunehmend als eine Marionette der USA.
Das Streben nach Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen
zählt mit zu den vielfältigen Faktoren, die 1978 zur islamischen
Revolution führten. Man tut gut daran, das nicht zu vergessen.
Seit dem überwältigenden Wahlsieg des Reformers Mohammad Chatami
im Mai 1997 hat sich in Iran einiges bewegt. Nach Meinung von Experten ist
der Reformprozess, trotz mancher Rückschläge, unumkehrbar. Aber
er braucht Zeit - und unsere Sympathie.
Armin Vielhaber