Am 1. Mai 2004 - 13 Jahre nach der Wiedererlangung ihrer Unabhängigkeit - sind Estland, Lettland und Litauen der EU beigetreten. Zuvor erfolgte die Aufnahme in die NATO. Beide Ereignisse dürften manchen bei uns angeregt haben, die drei kleinen baltischen Staaten erst mal genauer zu verorten. Wer Anfang der neunziger Jahre Henning Mankells "Hunde von Riga" gelesen hatte, wusste immerhin, dass es sich bei Riga um die Hauptstadt Lettlands handelt - aber Tallinn oder Vilnius?
Fünf Jahrzehnte Sowjetherrschaft haben die drei Länder an der östlichen Ostsee weitgehend aus unserem Blickfeld verdrängt. Nun sind sie wieder selbstbewusst auf die europäische Bühne getreten. Hinter ihnen liegen schmerzhafte Anpassungsprozesse, die längst nicht abgeschlossen sind. Das hohe Tempo der Transformation von der Plan- zur Marktwirtschaft bereitet manchem Unbehagen, vor allem den älteren Menschen. Die Gesellschaft zerfällt in Gewinner und Verlierer des Systemwechsels. Bei den Jüngeren herrscht Zuversicht und Aufbruchstimmung.
"Estland-Lettland-Litauen verstehen" macht den Versuch, uns unsere alten/neuen europäischen Nachbarn näher zu bringen - vornehmlich aus ihrer eigenen Perspektive: 19 der 21 Autorinnen und Autoren sind Einheimische. Sie erzählen von drei interessanten "jungen Staaten mit alter Geschichte", die nicht "in einen Topf" geworfen werden möchten, mit denen uns eine Menge verbindet und die kennen zu lernen spannend ist und sich lohnt.
Armin Vielhaber