1982 erschien das erste SympathieMagazin "China verstehen". Jetzt liegt die vierte Neufassung vor. Das Tempo des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels hat sich in China in den vergangenen 25 Jahren rapide beschleunigt. Gegensätze und Widersprüche haben eher zu- als abgenommen. Außenstehenden fällt der Umgang mit dieser hochkomplexen Entwicklung nicht leicht. Viele bezweifeln, dass China noch ein kommunistisches Land ist und sehen in der "Hauptlokomotive des Weltwirtschaftswachstums" eine zukünftige Gefahr für den Westen.
Schon vor 200 Jahren meinte Voltaire, dass wir die Chinesen deshalb so gründlich missverstehen, weil wir ihr Verhalten im Licht unseres eigenen beurteilen. Daran hat sich wenig geändert. Noch immer sind Halbwissen und Vorurteile über China die Ursache für Wahrnehmungsstörungen, die wenig Raum für Nuancen und Differenzierung zulassen.
Was in einem Land passiert, in dem ein Fünftel der Menschheit lebt, kann niemandem gleichgültig sein. Nötig ist ein interkultureller Dialog mit den Chinesen. Der erfordert: zuhören können und versuchen, zu verstehen - ohne eigene Maßstäbe zu verleugnen, auch nicht, wenn es um die Einhaltung der Menschenrechte geht.
Bleibt zu hoffen, dass es China gelingt, neben seinen wirtschaftlichen Erfolgen auch den allgemeinen Wohlstand und das Ausmaß persönlicher Freiheit zu erhöhen - und seiner Mitverantwortung für den Schutz der Umwelt und des Weltklimas gerecht zu werden.
Armin Vielhaber