Es ist schon erstaunlich, Brasilien ist weit weg, aber wir müssen
gar nicht lange nachdenken, dann fällt uns dazu ein Menge ein: Rio
mit Karneval, Zuckerhut und Copacabana, ballverliebte Zauberkünstler,
eigenwillige Hauptstadt-Architektur, endloser Amazonas, Samba- und Bossa
Nova-Klänge – und natürlich –- »The girl from
Ipanema«, »a garota de Ipanema« – unvergesslich
besungen von Astrud Gilberto, begleitet von Stan Getz´ cool werbendem
Saxophon.
Politisch Interessierte dürften sich an die »Theologie der Befreiung«
erinnern, Umweltschützer an die Brandrodungen in der »Lunge der
Welt« denken, Globalisierungskritiker an Porto Alegre mit seinen Weltsozialforen.
Und der Kinogänger wird die eindringlichen Bilder vor Augen haben,
mit dem uns der Film »City of God« den Teufelskreis von Armut,
Drogen und Gewalt in den favelas der brasilianischen Metropolen nahe gebracht
hat.
Das alles ist Brasilien, aber auch noch viel mehr. Schließlich ist
es das fünftgrößte Land der Erde und ein Land starker Kontraste.
Manche sind angenehm, verzaubern – andere tun weh. Moderne Wirtschaftsstrukturen
und Unterentwicklung, Reichtum und Armut liegen oft dicht beieinander. Fast
die Hälfte des Landes ist im Besitz von nur einem Prozent der 175 Millionen-Bevölkerung.
32 Millionen leben unterhalb der Armutsgrenze. Die zu lösenden Probleme
sind immens. Aber es gibt auch den Willen zu ausgleichenden Reformen, den
Willen, die Dinge selber in die Hand zu nehmen.
Armin Vielhaber