Palästina
Vorwort "Palästina verstehen"
Redaktion: Friedemann Büttner, Susanne Weiß
Für die Herausgabe eines SympathieMagazins »Palästina verstehen« kann es keinen richtigen und keinen falschen Zeitpunkt geben. Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis und die zahllosen Versuche, ihn zu lösen, haben über Jahrzehnte hinweg ein ständiges Wechselbad von Hoffnungen und Enttäuschungen, Erfolgen und Misserfolgen erzeugt. Bei der Erstausgabe dieses Magazins (1998) war der Friedensprozess von Oslo bereits in eine Sackgasse geraten. Der Bericht über den mit internationalen Hilfsgeldern fast fertiggestellten »Gaza Airport« wurde schon 2001 Makulatur: Israels Militär hatte den neuen Stolz des Landes in Schutt und Asche gelegt. Der israelische Schriftsteller Amos Oz spricht von einem realen Problem: Mit jeweils guten Gründen würden zwei Völker dasselbe Land beanspruchen. Der Konflikt könne vernünftigerweise nur im Kompromiss gelöst werden. Er plädiert für eine friedliche Verhandlungslösung, anstelle der zahllosen Versuche, mit Gewalt und Gegengewalt eine Lösung zu erzwingen. Fawaz Abu Sitta beschreibt in diesem Magazin, wie Menschen im Gazastreifen durch die Lebensumstände aggressiv und depressiv werden – seine Frau hingegen betont, dass man sich nicht einfach unterkriegen lassen darf und wie die Familie weiter lebt »mit der immer neuen Hoffnung auf eine Lösung«.
»Es gibt« – nach Adorno – »kein richtiges Leben im falschen.« Das gilt auch für die Menschen in Palästina. Deshalb steht dieses Magazin für ein erneutes »Dennoch«.
Armin Vielhaber
Presseinformation
Ammerland, 30. Juli 2008
Nr. 08/2008
"Frieden muss man mit dem Feind schließen - mit wem denn sonst?"
Avi Primor
Das neue SympathieMagazin "Palästina verstehen" fordert auf, sich ein eigenes Bild zu machen
Jonny Al Taweel steht auf einem ganz pragmatischen Standpunkt: "Wenn wir schon nicht in die Welt hinausgehen können, dann wollen wir umgekehrt alles dafür tun, damit die Welt zu uns kommt – und sich wohl fühlt!" Dass das möglich ist, beweisen Jonny und seine Frau Manar schon seit Jahren. Der Allround-Handwerker und die Sozialarbeiterin leben im palästinensischen Westjordanland und empfangen regelmäßig Gäste aus aller Welt. Möglich geworden ist dies durch das Bed&Breakfast-Programm der "Alternative Tourism Group" (ATG), mit Sitz in Beit Sahour, der Nachbarstadt von Bethlehem. In dem Wissen, am politisch geprägten Image Palästinas so schnell nichts ändern zu können, hat sich ATG zur Aufgabe gemacht, wenigstens einen Image-Wechsel auf der menschlichen Ebene anzustreben. Deshalb das Übernachtungs-Angebot bei palästinensischen Familien. Es ist dies eine unausgesprochene Aufforderung, sich ein eigenes Bild zu machen; sich auf den Alltag und die trotz allem vorhandene "Normalität" in einem Konfliktgebiet einzulassen. Für Außenstehende mag ein solches Ansinnen angesichts der Nahost-Problematik befremdlich erscheinen, doch Palästinenser und Israelis – haben sie Besucher zu betreuen – handeln stets umsichtig und verantwortungsvoll. Im Übrigen zeigt das druckfrische "Palästina verstehen" auch unterschiedliche Blickwinkel. So wird zum Beispiel "Das Ringen um Jerusalem" sowohl aus palästinensischer wie auch aus israelischer Sicht beschrieben. Daneben finden sich historisch erläuternde Texte, religionsbezogene Themen und Beiträge, die die Tragik des Nahost-Konflikts beschreiben und das Geschehen in den Palästinensischen Gebieten verdeutlichen. Es gibt wohl kaum ein zweites Land auf der Welt, das von sich selbst sagen kann, es lebe in einer "Besetzten Autonomie". Da grenzt es fast schon an ein Wunder, dass die palästinensische Bevölkerung – angesichts von Wassermangel, Stromausfällen, gesperrten Straßen und den von Israel verhängten Einfuhrstopps für wichtige Güter wie Brennstoff – immer noch ein halbwegs funktionierendes Wirtschafts- und Gesellschaftsleben aufrecht erhalten kann. Mit Ausnahme des Gazastreifens, wo nach Angaben des Welternährungsprogramms inzwischen 80 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze von zwei Dollar pro Tag leben. Der Prozess der Annäherung zwischen den beiden Konfliktparteien bleibt schwierig – das ist nicht neu. Indes zeigt das exklusiv in "Palästina verstehen" abgedruckte Gespräch zwischen Avi Primor und Abdallah Frangi im Schlussbeitrag des neuen SympathieMagazins, dass beide Seiten weiterhin an die Chance für einen dauerhafter Frieden glauben. Und klar wird auch: Sitzen sich Palästinenser und Israelis persönlich gegenüber, sprechen sie mit ihrem alter ego.
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Klaus Betz
"Palästina verstehen" wurde gefördert von: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Kommentare
Das Magazin "Palästina verstehen" zeigt unterschiedliche Blickwinkel. So wird zum Beispiel "Das Ringen um Jerusalem" sowohl aus palästinensischer wie auch aus israelischer Sicht beschrieben. Daneben finden sich historisch erläuternde Texte, religionsbezogene Themen und Beiträge, die die Tragik des Nahost-Konflikts beschreiben und das Geschehen in den Palästinenischen Gebieten verdeutlichen.
(TOURS)
Glückwunsch zu dem sehr schön gestalteten, geschriebenen und überhaupt realisierten Palästina-Heft! Die "Nahostabteilung" der SympathieMagazine einschließlich der Religionen ist inzwischen ein richtiges Sammelwerk geworden, immer wieder neu zu lesen und wunderbar anzuschauen, gratuliere.
(S. Hoffmann, Center for Middle Eastern Politics, Freie Universität Berlin)
Warum reisen wir überhaupt? Sicher, manche Menschen reisen, um einen Tapetenwechsel zu haben und sich zu entspannen. Aber immer mehr Reisenden war und ist das nicht genug. Sie suchen den "Mehrwert", wie es so schön im Sympathie-Magazin in den allgemeinen Reiseinformationen heißt. So sollte man sich als Reisender schon vor Antritt der Reise die Frage stellen, worauf es ankommt. Auf das Fortgehen oder Ankommen oder vielleicht sogar auf das, was man erzählen kann, wenn man zurückkommt? Was man erlebt hat?... In dem gerade in zweiter Auflage neu erschienenen Heft "Palästina verstehen" schreiben Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Privatpersonen über ihre Erfahrungen, Eindrücke und Einstellungen, über Daten und Fakten. So entstand mit 68 Seiten ein Heft, das zwischen Sachbuch, Reiseführer und Reisetagebuch angesiedelt werden könnte.
(Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V., Berlin)
Studienkreis-Wettbewerb
Preisträger in Palästina - TO DO!-Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus:
Links
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BMZ - Informationen zur Entwicklungszusammenarbeit mit Palästina
- LIPortal der GIZ - Länderinforamtionen zu Palästina
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Hörbuch „Israel hören – Das Heilige Land“ aus dem Silberfuchs-Verlag:
Eine Reise durch Kultur und Geschichte des Heiligen Landes von den biblischen Anfängen bis heute, mit Musikbeispielen aus dem Kulturkreis. Erschienen in der Reihe "Länder hören - Kulturen entdecken", ausgezeichnet mit dem ITB BuchAward und dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik.
Hrsg.: Silberfuchs-Verlag, Hören & Wissen.
